Bosnien & Herzegowina

Die Stadt Mostar

Die Stadt Mostar, in der unser Verein aktiven Tierschutz macht, liegt am Fluss Neretva, in Bosnien und Herzegowina. Das weltberühmte Wahrzeichen der Stadt ist die „Alte Brücke“, die im Jahr 1566 erbaut wurde. Die Stadt verdankt seiner Brücke auch ihren Namen „Mostar“, welcher übersetzt Brückenwächter bedeutet.

Im Kanton Herzegowina-Neretva, dessen Hauptstadt Mostar ist, leben etwa 113.000 Einwohner, wovon in der Stadt selbst etwa 75.000 Menschen leben (Stand 2013).
Der Bürgerkrieg, der in Bosnien wütete, hat die Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch sein Wahrzeichen, die „Alte Brücke“ fiel diesem blutigen Krieg zum Opfer.
Die Brücke fiel und die Stadt wurde zweigeteilt: in eine kroatische und in eine bosniakische Stadthälfte. Seit 2004 ist dieser Zustand zwar aufgehoben, aber die Nachwirkungen des Krieges sind bis heute noch sichtbar, wie spürbar in der Stadt. Hohe Arbeitslosigkeit, keine geregelte soziale Absicherung und eine sehr große Kluft zwischen arm und reich prägen den Alltag der Menschen vor Ort. Da sich die meisten Bewohner der Stadt tagtäglich mit der Sicherung der eigenen Existenz konfrontiert sehen, bleibt in deren Leben für die zahlreichen Tiere auf den Straßen der Stadt wenig Platz. Viele der Tiere, die auf den Straßen anzutreffen sind, sind aber nicht immer auch dort zur Welt gekommen. Durch fehlende Kenntnisse über die zusätzliche Verantwortung und Arbeit, die mit dem Halten eines Tieres einhergehen, kommt es nicht selten vor, dass einstige Haustiere von ihren Menschen ausgesetzt werden. Mit unserer Arbeit vor Ort möchten wir die Situation der Tiere verbessern, wie auch Aufklärungsarbeit leisten, mit dem Ziel, das Leid der Tiere zu lindern und das Bewusstsein der Menschen im Umgang mit Tieren zu stärken. Persönlicher Kontakt zu der Stadt und den dort lebenden Menschen ist daher zentral für unsere Arbeit und das Erreichen der selbstgesetzten Ziele.
 

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Veterinärstation von Mostar
Kein anderer Ort der Stadt hat die Arbeit des Tierschutzes so stark geprägt wie die Veterinärstation der Stadt Mostar. Sie befindet sich am Stadtrand und ist eine staatliche Institution. Dort sind drei Tierärzte beschäftigt, zwei Helferinnen und eine Kraft, die sich um die administrativen Angelegenheiten der Station kümmert. Jeder der dort angestellten Tierärzte hat seinen eigenen Zuständigkeitsbereich. Einer der Tierärzte ist für die Tiere in der Landwirtschaft (Rinder, Schafe, Hühner, Ziegen, Pferde, Esel usw.) zuständig, ein anderer für die vielen Vogelarten die in der Landschaft von Mostar leben (Falken, Stieglitz, usw.), und ein dritter Tierarzt ist für die Behandlungen von Kleintieren (Hunde, Katzen, Nager) verantwortlich. Jeder dieser Tierärzte arbeitet im Auftrag der Stadt, nimmt aber auch Aufträge von Privatpersonen an. Eine besondere Aufgabe, die dem zuständigen Tierarzt für Kleintiere zukommt, ist die Erfüllung der gesetzlich geregelten Kastrations- und Impfprojekte der Straßenhunde.
Obwohl die Veterinärstation eine staatliche Institution ist, wird die Verantwortung für diese nicht in Gänze von der Stadt getragen. Sicherung ihrer Existenz und die Schaffung notwendiger Arbeitsbedingungen sind Aufgaben, denen die Stadt nicht gerecht werden kann. Hier stell sich einem zwangsläufig die Frage: Weshalb ist dies der Fall?

Der Hauptgrund für diesen Zustand ist die schlechte finanzielle Situation der Stadt. Da die finanziellen Mittel fehlen, ist die Stadt kaum in der Lage, den Bedürfnissen ihrer hilfsbedürftigen Einwohnern (von Kranken, Alten, Behinderten, Obdachlosen) gerecht zu werden, geschweige denn denen der vielen Straßentiere. Zwar gibt es gesetzliche Regelungen, welche die Existenz der Veterinärstation begründen, doch leider gibt es keine ausreichenden Mittel, um auch fachgerechte Arbeitsbedingungen in dieser zu ermöglichen. Gehälter, die den dort angestellten Menschen zustehen, kann die Stadt nicht regelmäßig auszahlen, geschweige denn das Material, die Instrumente, die Hygienemittel und das Futter für die Tiere finanzieren. So bleiben die Angestellten auf sich selbst gestellt, um die Existenz der Veterinärstation zu sichern und mit ihr auch ihre eigene. Das Geld, was durch die Aufträge verdient wird, müssen die Tierärzte, um den Betrieb am Leben zu erhalten, wieder in die Arbeit der Station investieren.
Doch das erwirtschaftete Geld dient nicht nur der Betriebserhaltung, sondern ist auch eine Finanzierungsquelle für das eigene Leben der Angestellten und ihrer Familien, da sie manchmal monatelang auf eine Lohnauszahlung seitens der Stadt warten müssen.
Die Folge dieser schlechten finanziellen Bedingungen sind drastische Sparmaßnahmen unter denen die dort zu versorgenden Tiere sehr zu leiden haben.

In der Veterinärstation von Mostar selbst gibt es kein warmes Wasser. Vor jeder Operation und jedem Notfall muss zuerst Feuer in einem Holzofen angezündet werden, um das benötigte Wasser zu erwärmen. Das Wasser wird durch Feuerhitze erwärmt, da auch an den Stromkosten gespart werden muss. Der Strom, wie auch das Wasser, darf nicht bedarfsentsprechend genutzt werden, da sonst Sanktionen wegen der zu hohen Ausgaben seitens der Stadt drohen. Doch gerade eine bedarfsgerechte Nutzung von Wasser wäre für die medizinische, pflegerische und hygienische Arbeit von enormer Bedeutung. In der Veterinärstation werden in den Spitzenzeiten bis zu siebzig Hunde untergebracht. Nur wenn der Gebrauch von Wasser keinen Einschränkungen mehr unterliegt, können die notwendigen hygienischen Bedingungen gesichert werden, mit welchen die vielen, häufig auch tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten der Tiere, verhindert werden konnten.
Die gleiche Finanzierungsproblematik findet man auch in Bezug auf die Operationsinstrumente und das Gebrauchsmaterial. Die Operationsinstrumente können nicht den Hygienestandards entsprechend aufbereitet werden. Häufig sind diese auch stark verschlissen, doch aufgrund der finanziellen Notlage können und werden sie nicht aussortiert.
Das Gebrauchsmaterial, z.B. Nahtmaterial kann nicht den individuellen Bedürfnissen der Tiere entsprechend gewählt werden. Mit einer und derselben Stärke vom Nahtmaterial werden alle Operationswunden genäht, unabhängig von der Größe der Tiere. Häufig entstehen durch diese Handlung Komplikationen und obwohl deren Ursache bekannt ist, muss das Risiko immer wieder neu eingegangen werden. Die schlechten Bedingungen, die man vor Ort antrifft, erklären die vielen Infektionen, wie auch Komplikationen zu denen es in der Veterinärstation von Mostar kommen kann, sehr einleuchtend.

Wir, die Gründungsmitglieder von Streunerglück, haben uns nicht nur vor Ort einen Überblick über die Situation gemacht, sondern auch sehr lange darüber beraten, wie wir als Tierschützer mit sehr hohen, westlichen Ansprüchen mit der Situation in der Veterinärstation umgehen möchten. Nach zahlreichen Gesprächen mit den Tierschützern vor Ort und dem zuständigen Tierarzt haben wir uns entschieden, einen Beitrag zu leisten und die dort herrschenden Arbeitsbedingungen zu verbessern. Angesicht der Umstände, die im Land und in der Stadt herrschen, möchten wir gerne die Veterinärstation von Mostar dabei unterstützen, die dort herrschenden Bedingungen zu optimieren. Da wir mit unserer Arbeit am Anfang stehen, können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht berichten wie unsere Hilfe von der Stadt, der zuständigen Veterinärinspektorin und den dort tätigen Tierärzten angenommen wurde.
Aber die ersten Schritte in die richtige Richtung haben wir bereits getan.
Mit Hilfe der Tierschützer vor Ort haben wir unsere Projektideen bereits an die zuständigen Instanzen weiterleiten können. Die zuständige Veterinärinspektorin
zeigte sie sich offen für unsere Ideen und war gesprächsbereit, genau wie der für
Katzen und Hunde zuständige Tierarzt in der Veterinärstation. Die aktuellen Entwicklungen bezüglich unserer Projekte werden wir für all die Interessierten
hier auf unserer Homepage regelmäßig präsentieren.

Die Tiere, die im Rahmen des gesetzlich geregelten Kastrationsprojektes der Stadt kastriert und gegen Tollwut geimpft werden, bekommen nach dieser Behandlung eine gelbe Plakette mit einer Registrationsnummer an ihr Ohr gesteckt. Nachdem die Tiere diesen Versorgungsprozess durchlaufen haben, werden sie wieder auf die Straße ausgesetzt und so ihrem Schicksal überlassenen. Im Moment wird in Bosnien und Herzegowina über eine Gesetzesänderung diskutiert, mit welcher die Euthanasie der Straßenhunde legalisiert werden soll. Die Verabschiedung eines derartigen Gesetzes soll dann die eine, optimale Problemlösung bezüglich der vielen Straßentiere darstellen.
Diese Lösung wird nur aus einem Grund in Erwägung gezogen und zwar weil es für den Staat günstiger ist, ein Tier zu töten, als es zu kastrieren und zu impfen. Ob das eine wirkliche, effiziente Lösung des Problems sein kann, wird nicht nur seitens der Tierschützer vor Ort sondern überall in Europa bezweifelt.

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