Eine Tatsache, die immer wieder gern verdrängt wird, aber enorm wichtig ist, zeigt sie uns doch die Tragweite unseres eigenen Einflusses auf unsere vierbeinigen Familienmitglieder auf.
Natürlich spielen Genetik, Epigenetik und Vorerfahrungen mit rein. Doch wusstet ihr, dass die Rasse z. B. nur zu ca. 9 bis 10 %* das Verhalten beeinflusst?
Der Einfluss, den wir und das gesamte Umfeld des Hundes auf ihn haben, ist um so vieles größer. Dessen müssen wir uns unbedingt wieder deutlich bewusster werden, denn letztlich basieren das meiste »Problemverhalten« auf schlichten Missverständnissen zwischen Mensch und Hund. Oft übertragen wir unseren Hunden unbewusst Aufgaben, denen die meisten von ihnen nicht mal im Ansatz gewachsen sind. Wir überfrachten sie mit enormen Erwartungen – nicht weniger als Perfektion soll es sein, während wir selbst alles andere als perfekt sind.
Wir machen uns abhängig von der Meinung anderer, werden ungehalten über das Fehlverhalten anderer und haben selbst auch mal schlechte Tage. Unsere Hunde sollen aber bitte jeden Tag gleich gut performen, in jeder Situation ruhig und entspannt bleiben und nebenbei noch unsere eigene Laune aufbessern. Fühlt sich das nicht falsch an?
Wir würden uns so sehr wünschen, dass wieder mehr Offenheit und Reflektion Einzug halten und Hunde als genau das gesehen werden, was sie sind: individuelle Charaktere mit Stärken und Schwächen, eigenen Wünschen und Bedürfnissen.
*Zahlen variieren je nach Studie, z. B. University of Massachusetts 2022